921.117

Ausführungsbestimmungen
über die kontrollierte Ursprungsbezeichnung für Weine

vom 04.03.2008 (Stand 01.10.2015)
Der Regierungsrat des Kantons Obwalden,

in Ausführung von Artikel 178 des Landwirtschaftsgesetzes vom 29. April 1998[1], der Weinverordnung vom 14. November 2007 sowie der Verordnung des EDI über alkoholische Getränke vom 29. November 2013[2],

gestützt auf Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe h des kantonalen Landwirtschaftsgesetzes vom 25. Januar 2008[3]*

beschliesst:
Art. 1
Kontrollierte Ursprungsbezeichnung
1

Weinproduzierende Betriebe beziehungsweise Kelterungsbetriebe, die für ihre Weine die „Kontrollierte Ursprungsbezeichnung“ (KUB) oder „Appellation d’Origine Contrôllée“ (AOC) verwenden, müssen die Vorschriften dieser Ausführungsbestimmungen und die Vorgaben des AOC-Reglements des Zentralschweizer Weinbauvereins[4] bezüglich der analytischen und sensorischen Prüfung erfüllen. *

Art. 2
Produktionsgebiet und Lagen
1

Produktionsgebiete umfassen das Kantons- beziehungsweise das Gemeindegebiet.

2

Lagen umfassen begrenzte Gebiete wie Rebberge, Weingüter, Halden mit ortsbekannten Flur-, Hof- oder anderen geografischen Bezeichnungen.

3

Produktionsgebiete und Lagen müssen im kantonalen Rebbaukataster enthalten sein.

Art. 3
Weinbezeichnungen und Verschnitt *
1

Weine aus Traubengut, das vollumfänglich aus Obwalden stammt, dürfen die Bezeichnung „Obwalden KUB/AOC“ beziehungsweise „KUB/AOC Obwalden“ tragen. Vorbehalten bleiben die Bestimmungen von Art. 8 der Verordnung des EDI über alkoholische Getränke[5]*

2

Weine aus Traubengut, das vollumfänglich aus einer Gemeinde oder Lage stammt, darf zusätzlich mit der Bezeichnung der jeweiligen Gemeinde beziehungsweise Lage gekennzeichnet werden. Der Verschnitt von Weinen aus Lagen, die sich innerhalb desselben Gemeindegebietes befinden, ist zulässig und die Weine dürfen mit der Lage bezeichnet werden, sofern mindestens 60 Prozent des Traubengutes aus der bezeichneten Lage stammen. *

3

Roséwein ist ein Wein, der aus blauen Trauben gewonnen wird. Er darf mit höchstens 10 Prozent Weisswein verschnitten sein. *

4–5

… *

Art. 3a *
Weinspezifische Begriffe
1

Mit Auslese/Sélection/Selezione darf ein KUB-/AOC-Wein bezeichnet werden, der aus Trauben überdurchschnittlicher Qualität stammt oder einem speziellen Kelterungsverfahren unterzogen wurde. Je Sorte, Jahrgang und Ursprungsbezeichnung darf nur ein Los als Auslese/Sélection/Selezione bezeichnet werden. Es muss nach nachvollziehbaren und rückverfolgbaren Kriterien von anderen unterschieden werden können. Die Qualitätskriterien sind schriftlich festzuhalten und die Einhaltung ist von den Produzierenden zu dokumentieren. Sie unterliegen der Genehmigung des Amtes für Landwirtschaft und Umwelt.

2

Mit Reserve/Riserva darf ein KUB-/AOC-Rotwein bezeichnet sein, der nach einem Reifungsprozess von mindestens 18 Monaten ab dem 1. Oktober des Erntejahres auf den Markt gelangt. Mit Reserve/Riserva darf ein KUB-/AOC-Weisswein bezeichnet werden, der nach einem Reifungsprozess von mindestens 12 Monaten ab dem 1. Oktober des Erntejahres auf den Markt gelangt.

3

Als Spätlese gilt ein KUB-/AOC-Wein aus Trauben, dessen natürliches Mostgewicht mindestens 3 Grad Öchsle über dem Betriebsdurchschnitt des bezeichneten Gebietes (Weinbezeichnung) und der verwendeten Rebsorten liegt.

4

Als Beerenauslese gilt ein KUB-/AOC-Wein aus Trauben mit Edelfäulebefall und einem natürlichen Mindestzuckergehalt von mindestens 110 Grad Öchsle, ohne Anreicherung bzw. Konzentration.

5

Als Strohwein darf ein KUB-/AOC-Wein aus weissen oder roten auf Stroh, Horden, Lattenkisten oder nach einer anderen geeigneten Methode getrockneten Trauben, ohne Anreicherung bzw. Konzentration bezeichnet werden.

Art. 4
Rebsorten
1

KUB-/AOC-Weine müssen aus folgenden Rebsorten oder deren Mischungen hergestellt werden: Blauburgunder bzw. Pinot noir, Cabernet jura, Chardonnay, Divico, Johanniter, Regent und Solaris. Das Volkswirtschaftsdepartement kann, bei Nachweis der Eignung für das Kantonsgebiet, weitere Rebsorten bewilligen. *

2

Die verarbeiteten Rebsorten sind in mengenmässig absteigender Reihenfolge auf der Etikette anzugeben, wenn mindestens 85 Prozent des Weins von diesen Sorten stammt. *

Art. *
Anbaumethoden
1

Traubengut, das für die Herstellung von KUB-/AOC-Weinen verwendet wird, muss aus Rebflächen stammen, die nach einer der folgenden Anbaumethoden bewirtschaftet werden: Stickelbau, Drahtbau im Direktzug, Drahtbau in Querterrassenlagen. *

Art. 6
Natürlicher Mindestzuckergehalt
1

Das Volkswirtschaftsdepartement legt, in Übereinstimmung mit den Zentralschweizer Kantonen, den für KUB-/AOC-Weine geltenden Mindestzuckergehalt fest, welcher den bundesrechtlichen Mindestwert der KUB-/AOC-Weine gemäss Art. 21 Abs. 5 der Weinverordnung übersteigt. *

Art. 7
Höchstertrag pro Flächeneinheit
1

Das Volkswirtschaftsdepartement legt, in Übereinstimmung mit den Zentralschweizer Kantonen, den für KUB-/AOC-Weine geltenden maximalen Flächenertrag fest, welcher den bundesrechtlichen Höchstwert der KUB-/AOC-Weine gemäss Art. 21 Abs. 6 der Weinverordnung unterschreitet. *

2

… *

Art. 8
Methoden der Weinbereitung
1

Die Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung müssen nach den in Art. 7 der Verordnung des EDI über alkoholische Getränke aufgeführten önologischen Verfahren und Behandlungen erzeugt sein und es müssen dabei die dafür geltenden Grenzen und Bedingungen gemäss Anhang 2 der Verordnung des EDI über alkoholische Getränke eingehalten werden. *

2

Die Anreicherungsverfahren dürfen keine Anhebung des Gesamtalkohols der frischen Weintrauben, des Traubenmostes, des teilweise vergorenen Traubenmostes, des Jungweins oder des Weins auf über 15 Volumenprozente zur Folge haben. *

Art. 9
Analyse und sensorische Prüfung
1

Das Volkswirtschaftsdepartement kann die Durchführung der Analyse und sensorischen Prüfung für Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung dem Zentralschweizer Weinbauverein übertragen und eine entsprechende Vereinbarung abschliessen.

2

Die Weinproduzierenden sind verpflichtet, Stichproben ihrer KUB-/AOC-Weine kostenlos für die Analyse und sensorische Prüfung zur Verfügung zu stellen. Die Weine müssen verkaufsfertig abgefüllt sein. *

3

Die analytische Prüfung umfasst mindestens die Kriterien Alkoholgehalt und gesamte schweflige Säure.

4

Die sensorische Prüfung umfasst die Kriterien Aussehen, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck und wird nach einem anerkannten Beurteilungsschema der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)[6] vorgenommen. *

Art. 10
Kosten
1

Die Kosten für die Kontrolle der „kontrollierten Ursprungsbezeichnung“, insbesondere die analytische und die sensorische Prüfung, gehen zulasten der Produzentinnen und Produzenten.

Art. 11
Inkrafttreten
1

Diese Ausführungsbestimmungen treten rückwirkend auf den 1. März 2008 in Kraft.

Informationen zum Erlass

 

Ursprüngliche Fundstelle: OGS 2008, 27

 

geändert durch

- Nachtrag vom 27. April 2010, in Kraft seit 1. Mai 2010 (OGS 2010, 27),

- Nachtrag vom 22. September 2015, in Kraft seit 1. Oktober 2015 (OGS 2015, 48)

OGS 2008, 27
  1. [1] SR 910.1
  2. [2] SR 817.022.110
  3. [3] GDB 921.1
  4. [4] Bezugsquelle: Zentralschweizer Weinbauverein, Tellenstrasse 41, 6056 Kägiswil
  5. [5] SR 817.022.110
  6. [6] Bezugsquelle: Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Grüental, Postfach, 8820 Wädenswil

Änderungstabelle - Nach Beschlussdatum

Beschlussdatum Inkrafttreten Element Änderung Fundstelle
04.03.2008 01.03.2008 Erlass Erstfassung OGS 2008, 27
27.04.2010 01.05.2010 Art. 3 Abs. 1 geändert OGS 2010, 27
27.04.2010 01.05.2010 Art. 3 Abs. 4 geändert OGS 2010, 27
27.04.2010 01.05.2010 Art. 3 Abs. 5 geändert OGS 2010, 27
27.04.2010 01.05.2010 Art. 5 totalrevidiert OGS 2010, 27
22.09.2015 01.10.2015 Ingress geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 1 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3 Titel geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3 Abs. 2 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3 Abs. 3 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3 Abs. 4 aufgehoben OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3 Abs. 5 aufgehoben OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 3a eingefügt OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 4 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 4 Abs. 2 eingefügt OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 5 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 6 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 7 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 7 Abs. 2 aufgehoben OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 8 Abs. 1 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 8 Abs. 2 eingefügt OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 9 Abs. 2 geändert OGS 2015, 48
22.09.2015 01.10.2015 Art. 9 Abs. 4 geändert OGS 2015, 48

Änderungstabelle - Nach Artikel

Element Beschlussdatum Inkrafttreten Änderung Fundstelle
Erlass 04.03.2008 01.03.2008 Erstfassung OGS 2008, 27
Ingress 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 1 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 3 22.09.2015 01.10.2015 Titel geändert OGS 2015, 48
Art. 3 Abs. 1 27.04.2010 01.05.2010 geändert OGS 2010, 27
Art. 3 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 3 Abs. 2 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 3 Abs. 3 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 3 Abs. 4 27.04.2010 01.05.2010 geändert OGS 2010, 27
Art. 3 Abs. 4 22.09.2015 01.10.2015 aufgehoben OGS 2015, 48
Art. 3 Abs. 5 27.04.2010 01.05.2010 geändert OGS 2010, 27
Art. 3 Abs. 5 22.09.2015 01.10.2015 aufgehoben OGS 2015, 48
Art. 3a 22.09.2015 01.10.2015 eingefügt OGS 2015, 48
Art. 4 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 4 Abs. 2 22.09.2015 01.10.2015 eingefügt OGS 2015, 48
Art. 5 27.04.2010 01.05.2010 totalrevidiert OGS 2010, 27
Art. 5 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 6 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 7 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 7 Abs. 2 22.09.2015 01.10.2015 aufgehoben OGS 2015, 48
Art. 8 Abs. 1 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 8 Abs. 2 22.09.2015 01.10.2015 eingefügt OGS 2015, 48
Art. 9 Abs. 2 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48
Art. 9 Abs. 4 22.09.2015 01.10.2015 geändert OGS 2015, 48